Das ENUM-Protokoll

Die Denic Genossenschaft teilte am 26.01.2006 mit, dass die Verwaltung der ENUM-Domains ab sofort in den regulären Betrieb genommen wird. Zu allen Telefonnummern können jetzt also korrespondierende Domains registriert werden, die folgendem Muster folgen: Aus +49 69 27 2350 wird 0.5.3.2.7.2.9.6.9.4.e164.arpa. Diese Domains können laut der Denic-Ankündigung nun bei vielen Denic-Mitgliedern angemeldet werden. Die Nameserver dieser Provider übernehmen dann die Zuordnung zu den jeweils passenden Ausgabegeräten, denn die ENUM-Domains sollen eine Brücke zwischen Telefonie und Internet schlagen. Derzeit scheinen jedoch die von Denic angegebenen Registrars zumindest teilweise von der Ankündigung überrumpelt. Bei einem der größten Registrars, der Deutschen Telekom AG, heißt es beispielsweise, die "Öffentliche Registrierung von ENUM Domains wurde eingestellt (...) wenden Sie sich bitte an einen der anderen ENUM-Trial Teilnehmer". Das bedeutet in Umkehrung einer beliebten Telefonie-Fehlermeldung: "Keine Nummer unter diesem Anschluss". (Quelle: intern.de)

ENUM leitet sich ab von "telephone number mapping" bzw. "electronic numbering" und steht für ein Protokoll, mit dem Ressourcen aus dem Telekommunikations- und dem Internetbereich verknüpft werden können und definiert eine Vorschrift, mit der eine Telefonnummer in eindeutiger Weise auf eine Domain unterhalb der Top Level Domain .e164.arpa abgebildet wird.
Mit dem ENUM-Protokoll werden unter Nutzung des Domain Name Systems (DNS) die verschiedensten Kommunikationsdienste über nur eine Rufnummer identifiziert und angesprochen. Das System sorgt automatisch dafür, dass die Endgeräte ausgewählt werden, die zur Ausgabe der Nachricht tauglich sind. Ein eingehendes Fax landet also beispielsweise auf einem Faxgerät, ein Anruf kann nach Wunsch auf ein Festnetzgerät, das Mobiltelefon oder eine Voicebox weitergeleitet werden.

So können mit Hilfe einer einzigen Domain die unterschiedlichsten Kommunikationsdienste wie Telefon, Fax, Handy, Internet und eMail-Adressen identifiziert und angesprochen werden. Eine ENUM-Domain ersetzt somit eine Vielzahl von Rufnummern. Die Zuordnung zu den jeweils passenden Ausgabegeräten übernehmen die Einträge im ENUM-Nameserver.

Ein Beispiel:

Die Rufnummer +49 12345 würde beispielsweise danach als ENUM- Domain 5.4.3.2.1.9.4.e164.arpa lauten. Unter dieser Adresse ist der Domain-Inhaber unabhängig vom verwendeten Kommunikationsmittel - ob Handy, Laptop, PDA oder eMail - jederzeit erreichbar. Die ENUM-Domain dient so als einzige Nummer für verschiedene Kommunikationsdienste.

Vorteil dieses Systems: Statt einer Vielzahl von Rufnummern für die verschiedenen Anwendungen reicht eine Rufnummer aus. Die Zuordnung zu den jeweils passenden Ausgabegerä ten übernehmen die Einträge im ENUM-Nameserver. Ein eingehendes Fax wird somit automatisch auf das richtige Endgerät geleitet.

Zu den größten Problemen zählt derzeit noch die Validierung der Rufnummern. Dabei muss sichergestellt und regelmässig überprüft werden, dass die Registrierung einer ENUM-Domain für eine bestimmte Telefon-Rufnummer auch wirklich nur vom Inhaber dieser Rufnummer vorgenommen wird. Die Deutsche Telekom plant zur Lösung dieses Problems den Aufbau einer Validierungsagentur für ENUM-Registrare.

Die österreichische Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH (RTR-GmbH) hat mit enum.at am 24. August 2004 einen Vertrag zum Betrieb von ENUM-Domains geschlossen und seit 09.12.2004 als erstes Land der Welt die Brücke zwischen dem klassischen Festnetz und dem Internet geschlagen. Endkunden koennen sich ab sofort über das Innsbrucker Unternehmen nemox.net, den Wiener Internetbetreiber Silver Server und nic.at zu bestehenden Rufnummern ihre ENUM-Domain sichern.

Österreich nutzt als erstes Land ENUM, »die Brücke zwischen klassischer Telefonie und VoIP«, kommerziell. Aufgrund dieses bis Ende 2007 befristeten Vertrages verwaltet Enum.at alle ENUM-basierten Internetdienste in der ENUM-Zone 3.4.e164.arpa. Für die Aufgabe ist Enum.at als Tochter der gemeinnützigen Internetprivatstiftung Austria (ipa) und Schwester von nic.at, der österreichischen Domain-Verwaltung, prädestiniert.

Weitere Informationen finden Sie unter denic.de.